144 von 182 Produkten in der Juli Ausgabe sind „(sehr) gut“. Das ist gut für den Verkauf von Labeln und Anzeigen, aber nicht so gut für die Leserinnen, die Leser und die Umwelt.
Einleitung
„Medium-Mineralwasser ist für viele ein angenehmer Kompromiss zwischen still und sprudelnd. Mehr als zwei Drittel der 56 Produkte zischen mit Bestnote durch den Test. Nur ein Wasser rauscht ans Tabellenende“, fasst Öko-Test die Ergebnisse zusammen. Noch besser sieht es für die Zitronensorbets aus. Das schlechteste Gesamturteil von 13 ist für eines „befriedigend“. Von 52 Deos ist mit 28 mehr als die Hälfte „(sehr) gut“, ebenso bei den Klebestiften mit 13 von 22. Bei den After-Sun-Lotionen beträgt der Anteil mit 16 von 20 satte 80 Prozent. Nur von den Barbecue-Saucen sind mit neun von 19 knapp weniger als die Hälfte „(sehr) gut“.
Genauso interessant ist das andere Ende der Notenskala. Gerade einmal 13 Produkte sind „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Noch interessanter ist: Wir haben uns angesehen, wie die Notenverteilung bei der Stiftung Warentest ist. Die verkauft bekanntlich keine Anzeigen und die Einnahmen aus dem Verkauf der Label machen gerade einmal zehn Prozent ihres Etats aus. Bei Öko-Test steuern Anzeigen und Label rund 50 Prozent bei. Mal die Label ein wenig mehr, mal die Anzeigen.
Unsere Einschätzung
Unsere Einschätzung: Von den 1.169 Produkten, die die Stiftung Warentest in diesen Jahr getestet hat, sind nur 634 „(sehr) gut“. Bei Öko-Test sind es mit 740 von 1.031 mehr als 65 Prozent. Das heißt: Öko-Test hat weniger Produkte getestet, aber kann aber mehr Label verkaufen. Das ist zumindest bemerkenswert.
Im Test After Sun heißt es: „Je nach Deklaration prüften die Labore einzelne Produkte auf Parabene, BHT oder Elemente– was durchweg unauffällig war.“ Nun ist, wer lesen kann, im Vorteil. Und wer das Gelesene auch noch versteht, hat gewonnen. Fakt ist: Sowohl laut Inhaltsstoffliste auf dem Produkt wie im Internet enthält die Sun After Sun Refreshing Body Lotion von Douglas BHT. Der Stoff, so Öko-Test, „wird als Antioxidans eingesetzt. Die Substanz steht unter Verdacht, wie ein Umwelthormon zu wirken. Tierversuche geben unter anderem Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion.“ Die Douglas-Lotion ist damit „ausreichend“ und nicht „befriedigend“.
Die Ambre Solaire After Sun Feuchtigkeits- Milch von Garnier enthält Paraffinum Liquidum. Im Test Körperlotionen (12/2022) schreibt Öko-Test: Der Stoff erzeuge ein gutes Hautgefühl, zur Rückfettung der Haut trage er jedoch wenig bei, denn er bleibe vornehmlich auf der Oberfläche liegen. „Natürliche Öle, wie sie etwa in den Naturkosmetik-Lotionen eine tragende Rolle spielen, integrieren sich dagegen besser ins Gleichgewicht der Haut.“ Daher wurden Produkte mit Paraffinum Liquidum abgewertet. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu dem aus Erdöl hergestellten Inhaltsstoff gibt es zwar nicht, aber trotzdem keine Abwertung mehr.
Das mit dem Lesen betrifft auch die Suncare After Sun Beruhigende Lotion von Annemarie Börlind. Sie enthält nicht nur den Allergien auslösenden Duftstoff Geraniol, sondern laut boerlind.com auch Citral. Wir finden so etwas heraus, indem wir tun, was Journalisten tun sollten: recherchieren. Dazu gehört, dass man, wenn man sich schon auf die Angaben der Firmen verlässt, einen Gegenscheck macht. Das heißt, man versucht, die Angaben aus zwei verschiedenen Quellen zu verifizieren.
Ein Gegencheck war uns für das Florida Eis green Zitrone zwar nicht möglich. Wir gehen aber davon aus, dass es sich um den nächsten Fehler handelt. Denn der Internetseite des Herstellers zufolge enthält das Produkt, anders als Öko-Test schreibt, Carrageen. Der Stoff wird abgewertet, weil er „steht im Verdacht, Allergien auszulösen und in Tierversuchen negative Effekte auf das Verdauungs- und das Immunsystem zeigte.“ Das Florida Eis green Zitrone ist mithin nicht „gut“, sondern „befriedigend“.

Warum auch immer? Mit einer Portion Zitronensorbet nehmen Erwachsene bis zu 22,4 Gramm Zucker auf. Das ist fast so viel, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO für alle Lebensmittel am Tag höchstens empfiehlt. Trotzdem spielt das süße Gift ohne jede Erklärung keine Rolle. Im Test Barbecue-Saucen hat man, wenn auch nicht überzeugend, zu erklären versucht, warum man Aromen nicht abwertet. Hätte man den Zucker in Zitronensorbets wie üblich bewertet, wäre das Gesamturteil aller Produkte eine Note schlechter.
Wir können kein System entdecken. Nicht nur Zucker ist für Öko-Test kein Thema. Durchgängig werden die Leser nur bei Kosmetika informiert, ob diese vegan sind. Dagegen spielt in sieben der zehn Lebensmittel-Tests das Thema vegan keine Rolle (wir haben beispielhaft alle Tests aus den Heften März bis Juli 2026 aufgeführt). Dabei kann Zitronensorbet vegan sein oder nicht. Mineralwasser ist selbstverständlich immer vegan, nicht aber das Produkt als Ganzes. Denn die Mineralbrunnen benutzen oft Casein-haltige Kleber für die Etiketten. Der Stoff ist der Hauptbestandteil von Kuhmilch. Auch andere Produktgruppen wie Wasch- und Reinigungsmittel werden nicht einheitlich behandelt. In der Ausgabe 3/2026 beispielsweise war vegan bei Vollwaschmitteln ein Thema, bei Glasreinigern nicht.
Im Test Deos werden die Leserinnen und Leser darüber informiert, welche Produkte welche Allergien auslösende Duftstoffe enthalten. Zum Garnier Mineral pure Frische von L’Oréal heißt es lediglich: „Parfüm und/oder ätherisches Öl: ja“. Problematische Duftstoffe sind nicht aufgeführt. Dabei enthält das Produkt gleich drei davon: Citronellol, Geraniol und Cumarin.

Im Test Mineralwasser hat man die Anforderungen an die Verpackung geändert. Im Vorgängertest (6/2023) wurden PET-Einwegflaschen selbst dann abgewertet, wenn sie zu 100 Prozent aus Rezyklat bestanden. Das macht angesichts der ständig steigenden Einweg-Flut ökologisch Sinn. So wurden 2023 in Deutschland rund 16,7 Milliarden Einweg-PET-Flaschen verkauft und über sechs Milliarden Alu-Dosen. Dem Umweltbundesamt zufolge sank die Mehrwegquote für pfandpflichtige Getränke von angestrebten mindestens 70 Prozent Anfang der 1990er Jahre auf nur noch 34,3 Prozent im Jahr 2023. Wenn in dieser Situation ein Blatt mit dem Namensbestandteil „Öko“ seine Umweltanforderungen senkt, ist das schon arg befremdlich. Durch die Umstellung ist das Ivorell Natürliches Mineralwasser Medium von dm plötzlich nicht mehr nur „gut“, sondern „sehr gut“ (rechts das aktuelle Ergebnis). Die gleiche Wirkung ergibt sich für das Saskia Natürliches Mineralwasser Medium von Lidl und das K- Classic Natürliches Mineralwasser Medium von Kaufland. Das Genuss Plus Natürliches Mineralwasser Medium von Rossmann verbessert sich sogar von „befriedigend“ auf „sehr gut“. Wie für die anderen Produkte um eine Note wegen der Verpackung, um eine weitere Note, weil ein anderer Abwertungsgrund weggefallen ist.
Doch damit nicht genug. Seit 2025 sind für Öko-Test Einweg-Plastikflaschen sogar „sehr gut“, wenn sie nur noch 65 Prozent Rezyklat enthalten. Zur Begründung heißt es: „Die kürzlich überarbeitete EU-Verpackungsverordnung sieht vor, dass Hersteller ihre Einweggetränkeflaschen bis 2030 zu mindestens 30 Prozent und bis 2040 zu mindestens 65 Prozent aus recyceltem Kunststoff herstellen müssen. Wir fordern schon jetzt den höheren Anteil. Dass das geht, zeigen die Hersteller im Test, die es bereits schaffen, Flaschen mit 100 Prozent Plastik aus dem Wertstoffkreislauf zu verwenden.“ Tolle Wurst. Man weiß, dass 100 Prozent möglich sind, gibt sich aber mit 65 Prozent zufrieden, obwohl man sonst regelmäßig mit seinen Anforderungen über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht. Einen Sinn können wir darin nicht entdecken.
Im Übrigen schließt sich hier der Kreis zum Thema Recherche. Das Rossmann-Produkt wurde 2023 abgewertet, weil es für Babynahrung ausgelobt war und die Öko-Test-Anforderungen für Chrom nicht erfüllte. Aktuell findet sich auf der Flasche keine Empfehlung für Babynahrung mehr, wohl aber im Internet auf rossmann.de. Öko-Test hat offenbar dem Flaschenetikett geglaubt, wodurch sich das Gesamturteil verbesserte. Die damalige Testchefin und stellvertretende Chefredakteurin Karin Schumacher hat allerdings immer gesagt: Wir sind nicht das Öko-Glaub-, sondern das Öko-Test-Magazin. Ein Gegencheck von Produkt und Internetseite hätte also zumindest Fragen an Rossmann aufgeworfen. Übrigens: Zufällig sind alle vier Firmen (Rossmann, dm, Lidl, Kaufland) gute bis sehr gute Anzeigenkunden. Kein anderer Anbieter hat von der Senkung der Anforderungen an die Verpackung in gleicher Weise profitiert.
Im Test Zitronensorbets heißt es: „Zudem enthält das Sorbet des Tiefkühl-Lieferservices Eissmann zugesetzte Aromen. Hersteller nutzen Aromen, um Qualitätsunter schiede der Rohware auszugleichen und Produkte zu standardisieren. Bei einem eintretenden Gewöhnungseffekt an den immer gleichen Geschmack kann dies zu einem einseitigen und ungesunden Essverhalten und im schlimmsten Fall zu Fettleibigkeit, Zucker und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.“ Das ist schon starker Toback.
Im Test Barbecue-Saucen ist er sozusagen verraucht. Denn viele enthalten (natürliche) Aromen, zu denen Öko-Test schreibt: „Alternativ können Lebensmittelhersteller also nur auf zugelassene Aromen zurückgreifen, um ihren Produkten einen rauchigen Geschmack zu verleihen. Anders als sonst werten wir daher den Zusatz von (Rauch-)Aromen in diesem Test nicht ab.“ Doch für den rauchigen Geschmack werde der Tabelle zufolge Raucharoma, geräuchertes Salz, geräucherte Zwiebeln und Rauchzucker eingesetzt. Nur die Millàs Barbecue Sauce enthält ausschließlich Aromen und in der Thomy BBQ Sauce würzig & rauchig von Nestlé sollen neben Raucharoma auch natürliche Aromen für den Geschmack sorgen. In den anderen Produkten haben sie offenbar andere Funktionen und warum sollen sie nicht die gleichen Probleme machen, die Öko-Test für Zitronensorbets eindrücklich beschrieben hat. Trotzdem werden sie nicht abgewertet.
Mit den Barbecue-Soßen schließt sich der Kreis zum Thema Recherche zum zweiten Mal. Den Internetseiten verschiedener Shop-Betreiber zufolge enthält die Sweet Baby Ray’s Barbecue Sauce Sirup aus gentechnisch verändertem Mais. Das ist nachvollziehbar, denn das Produkt stammt aus den USA. Dort werden auf bis zu 94 Prozent der Fläche gentechnisch veränderte Sorten angebaut. Allerdings findet sich auf dem Produkt selbst kein Hinweis darauf. Wir haben daher den Importeur angeschrieben und um Aufklärung gebeten. Er hat geantwortet: „Es handelt sich um modifizierte Maisstärke und nicht um gentechnisch veränderte (GVO-)Maisstärke. Es handelt sich um einen in der EU zugelassenen Zusatzstoff (E-Nummer), der in der gesamten EU häufig verwendet wird.“ Doch die Antwort wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Denn es geht nicht um Maisstärke, sondern um Maissirup (High Fructose Corn Syrup). Der ist kein Zusatzstoff, sondern eine Zutat und hat daher keine E-Nummer. Würde man konsequent gegenchecken, wäre selbstverständlich auch Öko-Test auf die Unstimmigkeiten gestoßen und hätte zur Abklärung das Produkt im Labor untersuchen lassen müssen. Denn nur so hätte man sicherstellen können, dass man seinen in diesem Punkt sehr sensiblen Leserinnen und Lesern kein Gentechnik-Produkt als „gut“ verkauft.
Fazit: Auch ohne die Fehler wäre das Heft die 7,80 Euro nicht wert. Denn weil es kein durchgängiges und durchdachtes Testkonzept gibt, ist auf die Ergebnisse ohnehin kein Verlass.
Mineralwasser medium











Zitronensorbet


Barbecue-Saucen



Deosprays ohne Aluminium





Deosprays ohne Aluminium für Männer



After-Sun-Lotionen


Klebestifte



