Die Stiftung Warentest sagt „mangelhaft“, Öko-Test findet das Olivenöl von Aldi „sehr gut“. Für die Suche nach einem guten Öl taugen aber beide Tests nicht.
Einleitung
Öko-Test ist begeistert und schreibt: „Ein „sehr gutes“ Sensorik-Ergebnis liefern nur drei Produkte ab: die getesteten Bio-Öle von Byodo und Rapunzel so wie das günstige Bio-Öl vom Discounter Aldi.“ Weil das Produkt von Byodo mit Schadstoffen belastet ist, sind von den 30 getesteten Ölen nur Rapunzel und Aldi „sehr gut“. Diese Note hat die Stiftung Warentest überhaupt nicht vergeben. Aber das Aldi-Öl hätte sie auch keinesfalls bekommen. Denn „am anderen Ende der Tabelle enttäuscht der Discounter Aldi gleich doppelt: Seine Öle der Hausmarken Bellasan und Bio schmecken stichig-schlammig und ranzig, das eine zudem modrig. Sie entsprechen nicht der Güteklasse nativ extra.“ Beide sind daher „mangelhaft (5,0)“. Öko-Test hat dagegen auch das Bellasan geschmeckt. Es sei „mittelfruchtig, leicht bitter, mittel scharf / grün, reif und durchschnittlich harmonisch“. Weil es mit verschiedenen Pestiziden belastet ist, ist es jedoch nur „ausreichend“.
Das Olivenöl nativ extra von Alnatura hat mit „gut (2,3)“ die beste von der Stiftung Warentest vergebene Note bekommen. Es sei „mittelfruchtig, grün, deutlich bitter, mittel-scharf und gut ausgewogen“. Das sieht öko-Test anders. Das Öl sei „eher unharmonisch“ und ist dem Blatt zufolge nur „befriedigend“. Daher stellt sich die dringende Frage: Welchem der beiden Tests kann und sollte man vertrauen, wenn man ein gutes Öl sucht?
Unsere Einschätzung
Unsere Einschätzung: Ein Joghurt ist ein Joghurt ist ein Joghurt. Das heißt, ein solches industriell hergestelltes Lebensmittel sollte immer die gleiche Qualität haben. Ein Olivenöl kann, wie die beiden Tests eindeutig belegen, von Charge zu Charge unterschiedlich sein. Während die Stiftung Warentest im Test und in den Labeln die getestete Charge angibt, ist sie bei Öko-Test unklar. Doch da der Test der Stiftung Warentest im Februar 2026 erschienen ist, der von Öko-Test drei Monate später und die Produkte im Juni 2025 sowie im Januar und Februar 2026 (Öko-Test) eingekauft wurden, dürften unterschiedliche Chargen getestet worden sein. Die aktuell erhältlichen Öle stammen wiederum aus anderen Chargen und können ganz andere Testergebnisse haben. Auf diese banale Erkenntnis haben weder die Stiftung Warentest noch Öko-Test mit ihren Testkonzepten reagiert. Daher lautet unsere Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Keinem der beiden Test kann man vertrauen, keiner taugt etwas für die Suche nach einem guten Olivenöl.

Das wissen selbstverständlich auch die Anbieter. Daher erstaunt es nicht, dass sie sich mit dem Kauf von Labeln zurückhalten. Von der Stiftung Warentest haben wir nur eines für einen Test aus dem Jahre 2025 gefunden. Von Öko Test gibt es keines für Olivenöl, sondern nur eines für einen Test Rapskernöl aus dem Jahre 2024.
Doch wie kann ein Testkonzept aussehen, auf dessen Ergebnisse sich die Käufer verlassen können. Für die Sensorik haben wir eine ernüchternde Antwort: Unserer Meinung nach gibt das nicht. Denn der Qualitätsverlust entsteht nach der Pressung. Eine frische Charge kann in Ordnung sein, während eine ältere schon gekippt ist. Auffällig ist, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum der beiden Aldi-Öle zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Tests der Stiftung Warentest bereits überschritten war. Beim Kauf waren sie gerade einmal noch fünf Monate haltbar.
Ein verlässliches Testkonzept können wir uns aber für die Schadstoffbelastung vorstellen. Dazu müsste man entweder eine Mischprobe aus mindestens zehn verschiedenen Chargen untersuchen. So ließe sich feststellen, welche Produkte im Durchschnitt stärker und welche weniger stark belastet sind. Man würde dann allerdings nicht erkennen, ob möglicherweise gesetzliche Grenzwerte überschritten wurden. Das würde man nur sehen, wenn man jede Charge gesondert untersuchen würde, was aber die Testkosten in enorme Höhen treiben würde.
Ein großes Problem sind dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) zufolge Olivenöle, die mit anderen, billigeren Ölen gestreckt wurden. „In den meisten Fällen handelte es sich dabei um raffiniertes, häufig auch ranziges Sonnenblumenöl, welches mit Farb- und Aromastoffen versetzt wurde, um das Aussehen und den Geschmack von Olivenöl vorzutäuschen“, schreibt die CVUA.
Öko-Test hat das nicht untersucht, die Stiftung Warentest hat keine gepanschten Produkte gefunden. Eine weitere Betrugsmasche ist, spanisches Öl als hochwertiges italienisches zu deklarieren, was bei keinem Produkt in den beiden Tests der Fall war. Auch bei möglichen Betrügereien könnte man durch ein Vorgehen wie bei den Schadstoffen zu einem verlässlicheren Ergebnis kommen.
Fazit: Seriöse Verbraucherberatung ist das nicht, was die Stiftung Warentest und Öko-Test mit ihren Tests von Lebensmittel wie Olivenöl treiben. Mit denen sind sie eher Teil der Unterhaltungsindustrie und bespaßen die Leser mal auf Kosten des einen, mal auf Kosten des anderen Anbieters.
