144 von 182 Produkten in der Juli Ausgabe sind „(sehr) gut“. Das ist gut für den Verkauf von Labeln und Anzeigen, aber nicht so gut für die Leserinnen, die Leser und die Umwelt.
So hat man im Test Mineralwasser die Anforderungen an die Verpackung geändert. Im Vorgängertest (6/2023) wurden PET-Einwegflaschen selbst dann abgewertet, wenn sie zu 100 Prozent aus Rezyklat bestanden. Das macht angesichts der ständig steigenden Einweg-Flut ökologisch Sinn. So wurden 2023 in Deutschland rund 16,7 Milliarden Einweg-PET-Flaschen verkauft und über sechs Milliarden Alu-Dosen. Dem Umweltbundesamt zufolge sank die Mehrwegquote für pfandpflichtige Getränke von angestrebten mindestens 70 Prozent Anfang der 1990er Jahre auf nur noch 34,3 Prozent im Jahr 2023. Wenn in dieser Situation ein Blatt mit dem Namensbestandteil „Öko“ seine Umweltanforderungen senkt, ist das schon arg befremdlich. Durch die Umstellung ist das Ivorell Natürliches Mineralwasser Medium von dm plötzlich nicht mehr nur „gut“, sondern „sehr gut“ (rechts das aktuelle Ergebnis). Die gleiche Wirkung ergibt sich für das Saskia Natürliches Mineralwasser Medium von Lidl und das K- Classic Natürliches Mineralwasser Medium von Kaufland. Das Genuss Plus Natürliches Mineralwasser Medium von Rossmann verbessert sich sogar von „befriedigend“ auf „sehr gut“. Wie für die anderen Produkte um eine Note wegen der Verpackung, um eine weitere Note, weil ein anderer Abwertungsgrund weggefallen ist.
Doch damit nicht genug. Seit 2025 sind für Öko-Test Einweg-Plastikflaschen sogar „sehr gut“, wenn sie nur noch 65 Prozent Rezyklat enthalten. Zur Begründung heißt es: „Die kürzlich überarbeitete EU-Verpackungsverordnung sieht vor, dass Hersteller ihre Einweggetränkeflaschen bis 2030 zu mindestens 30 Prozent und bis 2040 zu mindestens 65 Prozent aus recyceltem Kunststoff herstellen müssen. Wir fordern schon jetzt den höheren Anteil. Dass das geht, zeigen die Hersteller im Test, die es bereits schaffen, Flaschen mit 100 Prozent Plastik aus dem Wertstoffkreislauf zu verwenden.“ Tolle Wurst. Man weiß, dass 100 Prozent möglich sind, gibt sich aber mit 65 Prozent zufrieden, obwohl man sonst regelmäßig mit seinen Anforderungen über die gesetzlichen Vorgaben hinausgeht. Einen Sinn können wir darin nicht entdecken.
Im Test Zitronensorbets heißt es: „Zudem enthält das Sorbet des Tiefkühl-Lieferservices Eissmann zugesetzte Aromen. Hersteller nutzen Aromen, um Qualitätsunter schiede der Rohware auszugleichen und Produkte zu standardisieren. Bei einem eintretenden Gewöhnungseffekt an den immer gleichen Geschmack kann dies zu einem einseitigen und ungesunden Essverhalten und im schlimmsten Fall zu Fettleibigkeit, Zucker und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.“ Das ist schon starker Toback.
Im Test Barbecue-Saucen ist er sozusagen verraucht. Denn viele enthalten (natürliche) Aromen, zu denen Öko-Test schreibt: „Alternativ können Lebensmittelhersteller also nur auf zugelassene Aromen zurückgreifen, um ihren Produkten einen rauchigen Geschmack zu verleihen. Anders als sonst werten wir daher den Zusatz von (Rauch-)Aromen in diesem Test nicht ab.“ Doch für den rauchigen Geschmack werde der Tabelle zufolge Raucharoma, geräuchertes Salz, geräucherte Zwiebeln und Rauchzucker eingesetzt. Nur die Millàs Barbecue Sauce enthält ausschließlich Aromen und in der Thomy BBQ Sauce würzig & rauchig von Nestlé sollen neben Raucharoma auch natürliche Aromen für den Geschmack sorgen. In den anderen Produkten haben sie offenbar andere Funktionen und warum sollen sie nicht die gleichen Probleme machen, die Öko-Test für Zitronensorbets eindrücklich beschrieben hat. Trotzdem werden sie nicht abgewertet. Unseren gesamten Bericht zu Juli-Ausgabe lesen Sie hier: https://www.testwatch.de/testwatch/849-oeko-test-juli-2026

